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Verwandtschaften

Systemdesign – was ist das? Irgendwie umfasst dieser Begriff alles und ist doch schwer im Konkreten zu greifen.

Hier ein Erklärungsversuch: Es ist das Nachdenken, Lernen und Verstehen komplexer Zusammenhänge und der Versuch, Prozesse und Produkte- sowie das umgebende System- in interdisziplinärer Zusammenarbeit zu planen und zu gestalten.

Der Systemanalytiker und Konzeptkünstler Helmut Krauch erforschte und lehrte Systemdesign bereits von 1972 bis 1992 an der Kunsthochschule Kassel im Fachbereich Produktdesign. Einige seiner Lehrinhalte erscheinen im Rahmen einer „Circular Economy“ aktueller denn je.

Leider gerät der Ansatz des Systemdesigns heute an einigen Orten der traditionellen deutschen Kunsthochschullandschaft in Vergessenheit.

Warum?

License CC Credit Flickr user: Thomas Hawk
License CC Credit Flickr user: Thomas Hawk

Hemmen die besonderen Herausforderungen einer interdisziplinären Zusammenarbeit?

Lähmt Angst und Respekt vor der wachsenden Komplexität globaler Problemstellungen?

Oder frustriert die Tatsache, dass Arbeitsergebnisse oft nicht direkt in einem konkreten Objekt fassbar werden?

Eigentlich bilden die Fragestellungen doch positive Herausforderungen und neue Aufgabenfelder für Gestalter, welche in einer wachsenden „Circular Economy“ zunehmend an Popularität gewinnen und wirtschaftlich greifbar werden.

Anderenorts erfreut sich der durch den deutschen Soziologen Harald Welzer geprägte Begriff des „Transformationsdesigns“ zunehmender Beliebtheit – auch in der Designausbildung. So kann man neuerdings „Transformation Design“ an der HBK- Braunschweig studieren. In dem Masterstudiergang soll besonders dem Konzept des systemischen Denkens und des transdisziplinären Arbeitens nachgegangen werden, um neue, systemische Lösungen für die Zukunft zu entwerfen.

Interessante Zeiten für Gestalter – wie werden die Ideen und Konzepte einer „Circular Economy“ Einfluss nehmen auf unser zukünftiges Designverständnis?

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The Author

Ines Goebel

Ines Goebel

Ines is a product designer with a passionate interest for innovation processes within the circular and the sharing economy. She thrives in interdisciplinary environments with scientists, marketing experts and business leaders alike, for instance in the creation of Cradle to Cradle driven design concepts and product developments. Making use of her insatiable creative energy, Ines has become an experienced facilitator of innovation workshops, having conducted a number of high-level workshops with leaders in the consumer goods and automotive industries, exploring with them the potential of Circular Economy. The approach that Ines follows is a holistic one, and she likes to lead creative processes from ideation to concluding the developments of concrete product solutions for the industry.

2 Comments

  1. April 24, 2015 at 10:54 pm — Reply

    Liebe Ines,
    ich fürchte, dass systemisches Denken nicht nur in der Kunsthochschullandschaft in Vergessenheit gerät, sondern auch in der Wirtschft. Der Grund ist die zunehmende Komplexität bzw. Varietät und Dynamisierung der Anforderungen im relevanten Umfeld, die zum “Gesamtsystem Organisation” dazugehört. Menschen, und somit auch Entscheider, sind für das “Begreifen” dieser Komplexität nicht gemacht. Ihnen drohen Orientierungsdefizite und Kontrollverlust. Das versuchen sie auszugleichen durch durch Rückgriff auf Bekanntes und Bewährtes. Levinthal und March nennen das learning myopia. Schwaninger schreibt: “The strongest cognitive attenuators of variety are prejuduce and ignorance …”.
    Das ist natürlich das Gegenteil dessen, was für die Transformation in Richtung circular economy wichtig wäre. Hier helfen die traditionellen Ausbildungsgänge an den Hochschulen, vor allem die auf Bachelor-Niveau, nicht weiter, weil sie der strukturellen Logik der Unternehmen folgen und somit zur Bildung fachlicher Silos beitragen.

    Designer aber sind doch eigentlich kreative Menschen mit erweiterten Horizonten. Denen müsste das systems thinking doch eigentlich zuzumuten sein, oder nicht?

    Viele Grüße,
    Peter

  2. Ines Goebel
    May 1, 2015 at 12:41 pm — Reply

    Lieber Peter,

    vielen Dank für Deinen weiterführenden Beitrag und die anregenden Literaturhinweise.

    Der Mikrokosmos Kunsthochschule dient natürlich nur als ein möglicher Beobachtungspunkt, an welchem sich die von Dir benannten Aspekte und Herausforderungen von Komplexität beobachten lassen.

    Ich schließe mich Deinen Argumenten gerne an. Jeder Beobachtungsort, z.B. in der Wirtschaft, oder im Lehrbetrieb verfügt zudem über ein entsprechendes (durch menschliche Beziehungen gewachsenes) Lokalkolorit, welches in der praktischen Implementierung von systemtheoretischen Ansätzen über Erfolg, oder auch Misserfolg entscheiden kann.

    Unabhängig vom Bildungshintergrund sind für die Umsetzung eines Circular (Economy) Systems scheinbar Persönlichkeiten mit hybriden Fähigkeiten nötig und zugleich bewundernswert, welche den Spagat zwischen Vogelperspektive und Froschperspektive kontinuierlich, trotz wirtschaftlichen Druck bewältigen können.

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